Wie geht's weiter nach dem Aus vom Biosphärengebiet

18. März 2026

Post-Biosphäre: Weiterdenken statt einstampfen Akteure wollen wertvolle Arbeit nach Aus des Biosphärengebiets Oberschwaben fortsetzen

Bild: BUND BW Bild: BUND BW

Aulendorf/Stuttgart. Der BUND hat am 7. Februar 2026 mit rund 30 weiteren Akteuren nach Wegen
gesucht, wie Erfahrungen und Ideen aus dem Prozess zum Biosphärengebiet Allgäu-Oberschwaben
umgesetzt werden können. Das Ziel: Zeit und Geld, die in den Prozess investiert wurden, sollen nach
dessen Aus im November 2025 nicht verschwendet sein. Stattdessen setzen sich die Beteiligten aus
Umwelt- und Naturschutz dafür ein, die Region Oberschaben sinnvoll weiterzuentwickeln. Der Kreis
der Teilnehmenden bestand aus einer Koalition der Willigen aus dem Biosphärenprozess, sowie
einzelnen Vertreter*innen aus behördlichen Kreisen und der Forschung.
Martin Bachhofer, BUND-Landesgeschäftsführer: „Wir wollen möglichst konstruktiv an den Zielen
und Leitprojekten weiterarbeiten, die der Prozess trotz des Misstrauens und der teils unsachlichen
Kampagne der Gegner*innen hervorgebracht hat. Diese haben immer wieder behauptet, dass die
Konzepte eines Biosphärengebietes auch ohne dessen Ausweisung umgesetzt werden können. Die
Aussagen nehmen wir beim Wort und erwarten, dass sich die kritischen Stimmen nun auch
entsprechend bei alternativen Lösungen einbringen. Auf die großen Worte müssen Taten folgen!“
Maike Hauser, Regionalgeschäftsführerin BUND Bodensee-Oberschwaben: „So bedauernswert die
Absage an das Biosphärengebiet auch ist: Wir wollen bewusst nicht über das Scheitern der Idee
jammern, sondern die zahlreichen Ideen daraus nicht verloren geben. Dabei haben wir auf Basis der
bereits im Prozess herausgearbeiteten Leitprojekte den Fokus vor allem auf die notwendigen
Strukturen für eine erfolgreiche Umsetzung gelegt – denn nun müssen wir die Umsetzung der
Themen neu denken – ohne Biosphärengebiet.“
Neu denken, geschlossen handeln
Die Teilnehmenden konzentrierten sich dabei vor allem auf die umweltrelevanten Themenbereiche
Wald, Jagd und Fischerei, Moorschutz, Wirtschaft und Klimaschutz, Bildung für nachhaltige
Entwicklung, Ernährung und Regionalvermarktung sowie Landwirtschaft.
Unsere Konferenz mit Freund*innen der Biosphäre hat gezeigt, dass wir bereits brauchbare
organisatorische Strukturen haben, wie z.B. den Landschaftserhaltungsverband (LEV), den
politischen Regionalverband (RVBO), das Interkommunale Zentrum für Moorschutz (IKZ) oder
die LEADER-Regionen. Doch diese Strukturen sind mitnichten ressourcenmäßig so ausgestattet,
dass sie die vielen, notwendigen Projekte aus dem Prüfprozess in die Umsetzung bringen
können.

Die Teilnehmer*innen waren sich einig, dass finanzielle Mittel und personelle
Ressourcen für ein Projektmanagement bereitgestellt werden müssen. Das
gilt für den Moorschutz, bei dem es ja auch darum geht, neue Produkte und Dienstleistungen
von Mooren an den Markt zu bringen. Aber auch für die Umweltbildung, die regional besser
vernetzt und intensiviert werden muss. Wichtig ist auch, dass endlich die Leistungen der Land-
und Forstwirtschaft für Klimaschutz, Artenvielfalt und den Wasserschutz besser honoriert und
vergütet werden. Konsens bestand auch darin, dass neben der Etablierung notwendiger
Strukturen unbedingt auch erste Pilotprojekte zeitnah initiiert werden müssen, um Mut zu
machen für eine Transformation und Nachahmer*innen zu gewinnen. Hier wäre insbesondere
die Vernetzung von Landwirtschaftsbetrieben mit verarbeitenden Unternehmen von
Nasswiesenaufwuchs und Paludikulturen ein Anliegen, das auch bereits in anderen Regionen
praktisch erprobt und wirtschaftlich rentabel ist.
Diese Ansätze sollen nun geschlossen im weiteren Dialog und in künftigen Gremien vorgebracht
werden.
Hauser: „Statt einer lähmenden Abschlussveranstaltung zum Biosphärenprozess wünschen wir uns
einen kreativen und motivierten Auftakt in eine neue Phase der regionalen Zusammenarbeit. Für eine
intakte Natur und nachhaltiges Wirtschaften braucht es viele Schritte und Verbündete in der
Bevölkerung, Politik, Wirtschaft und Forschung sowie in Institutionen und Behörden. Sie alle laden
wir ein, sich konstruktiv für die Umsetzung der Leitprojekte und Ziele zu engagieren und gemeinsam
eine organisatorische Struktur dafür zu erarbeiten – auch diejenigen, die das Biosphärengebiet
rigoros ablehnten.“
Bachhofer: „Polarisierung und Spaltung bringen uns nicht weiter. Statt jeweils eigene Süppchen zu
kochen, gilt es nun, Interessen zu bündeln und eine konstruktive und wirksame organisatorische
Struktur aufzubauen, die eine nachhaltige Entwicklung Oberschwabens stärkt.“
Hintergrund: Biosphärengebiet Oberschwaben
Die Möglichkeit eines Biosphärengebiets in Allgäu-Oberschwaben hatte die Landesregierung
2021 in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. In den Landkreisen Biberach, Ravensburg und
Sigmaringen war die Initiierung eines Biosphärengebiets angedacht, welches auf die
erfolgreichen Biosphärengebiete auf der Schwäbischen Alb (seit 2008) und im Südschwarzwald
(seit 2016) folgen sollte. Ziel von Biosphärengebieten ist es, als Modellregion zu zeigen, wie
sich Wirtschaft, Wohnen und Tourismus möglichst im Einklang mit Natur und Umwelt
entwickeln lassen. Sie gliedern sich in möglichst unberührte Kernzonen, überwiegend
geschützte Pflegezonen und Entwicklungszonen. Letztere sollen als Lebens- und
Wirtschaftsraum innovative Modellprojekte für eine ökologisch und sozioökonomisch
nachhaltige Entwicklung ermöglichen. Im Herbst 2025 kam es zu mehreren Negativbeschlüssen
gegen das Biosphärengebiet in relevanten Gemeinderäten. Der Prozess wurde offiziell am 13.
November 2025 beendet.

Mehr Informationen:
Naturschutz in Baden-Württemberg
Wälder: Mehr Wildnis wagen
Prüfprozess Biosphärengebiet Allgäu-Oberschwaben
 

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